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127B - Jauchzen dir, AMUN-RE


Aus den Hymnen des Papyrus Berlin 3049, Ramessidenzeit


1-4 Sei gegrüßt, Einziger mit geheimer Geburt, 
erlauchter Fürst der ersten Urgötter; 
starker Gott mit gerüsteter Erscheinungsform, 
Gnädiger, Herr der Zuneigung. 

5-9 Die Menschen, sie jubeln dir zu und preisen deine Gestalt; 
die Götter, sie verehren deine Majestät, 
sie erhöhen deinen erlauchten Adel; 
die Göttinnen, sie musizieren für deinen Ka, 
sie künden dir Schönes und jauchzen «Hüte dich, Erde!» 

10-14 am Tor deines Tempels bis ans Ende der Zeit.
Wenn du zur Ruhe gehst, jubeln die beiden Länder über deine Schönheit, 
jedes Gesicht betet dich an. 
Jauchzen dem Ba in seiner Umringlerschlange, 
wenn er dahinfährt in der Nachtbarke! 

15-19 Die Tagbarke frohlockt unter ihrem Herrn; 
er hat die Finsternis erleuchtet, seine Strahlen dringen in die Erde, 
die er geschaffen hat.
Man ist früh auf, um seinem Ka Hymnen zu singen; 
deine beiden Federn, sie wecken die Köpfe auf und richten jedes Gesicht auf, das darniederlag.

20-24 Die Unterweltlichen erwachen, wenn du dich ihnen zuwendest. 
Du hast den erlauchten Gottesleib geschützt, und er gedeiht.
Lasst uns seinem Ka zu jauchzen, 
lasst uns die Erde küssen vor seiner Gestalt!
Jauchzen dir, AMUN-RE! 

25-29 Funkelnder, Herr der Verkörperungen, 
mit vielen Eigenschaften, die Herzen werden nicht satt der Liebe zu dir!
Jauchzen dir, AMUN-RE! RE, 
der den Himmel hervorbrachte und die Erde schuf, 
der das Wasser und die Berge schuf und alles Seiende entstehen ließ!
30-34 Jauchzen dir, AMUN-RE! 
Du hast die Erde erleuchtet in der Urfinsternis, 
als du aufgingst im Urwasser; die Menschen und die Götter kamen hervor nach deinem Leib.
Jauchzen dir, AMUN-RE! 
Macht mit vielen Namen, Unbekannter, 

35-39 fern ist er zu erblicken, aber nahe zu hören.
Jauchzen dir, AMUN-RE Re! 
Der den Arm Ausspannende, Herr der Kraft, stark im Angriff, 
Zorniger mit wütendem Herzen, der seine Feinde zurücktreibt.
Jauchzen dir, AMUN-RE! 

40-44 Milder, Herr der Gnade, blühend an Beliebtheit, 
huldreichen Herzens, der die Bitten erhört, der kommt, wenn er angerufen wird.
Jauchzen dir, AMUN-RE! 
Der jedes Auge erzeugte und für sie sorgt, 
Einzig Starker in unermüdlichem Lebensspenden. 

45-49 Jauchzen dir, AMUN-RE! 
Himmelsfeuchte, die die Äcker benetzt und die Pflanzen wachsen lässt, 
die Blumen sprießen durch den Ausfluß seines Leibes.
Jauchzen dir, AMUN-RE! 
Der den dauern lässt, der seinen Ka anbetet und seine beiden Sonnenscheiben erhöht, 

50-54 der den vernichtet, der an ihm vorbeigeht und seine Macht verkennt.
Wie lieblich ist es, deiner Schönheit zu gedenken, Herr der Götter! 
Das Herz ist beständig angeleitet, dir Ehre zu geben.
Alle Gesichter sind beruhigt, wenn sie deinen großen Namen anbeten, 
wenn sie dir die Wonne ihrer Lieder bringen. 

55-59 Willkommen, willkommen deinem Ka! 
Du Lebendiger, der nicht vergeht inmitten des Vergänglichen, 
der Tag für Tag sich Verjüngende, ohne ans Ende zu kommen, 
[zu dem die Götter] kommen gesenkten Haupts und «Hüte dich, Erde!» jauchzen. 
Freund dessen, was vorherbestimmt kommt, Geselle des Vergangenen; 

60-64 immer neue Generationen entspringen, ihm Ehre zu geben.
Solange der Himmel dauert unter deinem Ba und die Erde dauert unter deinem Bild, 
sind die Gesichter geschminkt mit dir, hast du die Herzen überflutet.
Willkommen, willkommen, AMUN-RE, 

65-69 der des Nachts in Schwangerschaft getragen wird und am Tage geboren wird, 
der hervortritt als Jüngling, Tag für Tag verjüngt. 
Man berechnet die Zeit der Götter, wenn er im Lichtland strahlt, 
und erkennt die Spanne der Menschen durch sein Aufgehen, 

70-74 man setzt das Jahr fest nach seinem Licht.
Alle Dinge werden für dich getan, 
indem das Gesicht auf dich gerichtet ist.
Du triumphierst, Herr der Götter, 
[dein Herz] wird weit, [deine] Feind[e] sind [nicht mehr].

(2 Kolumnen zerstört)
[ ... ] Wenn du strahlst, neigen sich ihre Blätter vor deinem Angesicht, du Liebeerweckender; 

75-79 der atmet Weihrauch, der unter deinem Licht steht, 
wer aber im Verborgenen ist, ist elend aus Mangel an dir. 
(Willkommen) in Frieden, AMUN-RE! 
Du bist es, der die beiden Länder geformt und die beiden Ufer gegründet hat, 

80-84 der alles [Seiende] bestimmt hat als Schöpfung seines Herzens. 
Der die Zukunft vorhersagt in Millionen von Jahren: 
die Ewigkeit steht vor seinem Angesicht wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist. 
Unser Lobgesang ist, was du uns ins Herz gibst; 
du Schöpfer unserer Glieder, wir jauchzen deinem Ka zu. 

85-89 Wenn du strahlst im Lichtland, erscheinst in Wahrheit, ruhen die beiden Länder. 
Du kommst zu dem, der dich anfleht, in der Stunde der Gnade.
Die Götter jauchzen: «Lasst uns unseren Vater anbeten!» 
Die Menschen: «Lasst uns unserem Schöpfer (huldigen) 

90-94 in seinem Namen «Der unsere Leiber erschuf» ! 
~Jener Gott, Herr der Wahrheit, der mit ihr befriedigt wird, 
(der) Gestalt (Annehmende), Herr der Ratschlüsse, blühend an Gesetzen 
«Hei, lasst uns seinen Ka verehren!»
Die Götter jauchzen: «Lasst uns unseren Vater anbeten!. 

95-99 Die Menschen: «Lasst uns unserem Schöpfer (huldigen) in seinem Namen 
«Der unsere Leiber erschuf» ! 
- Das Schicksal ist ihm unterstellt, die Jahre sind in seiner Hand, 
Gedeihen und Geburt stehen unter seinem Befehl 
«Hei, lasst uns seinen Ka verehren!»
Die Götter jauchzen: «Lasst uns unseren Vater anbeten!» 

100-104 Die Menschen: «Lasst uns unserem Schöpfer (huldigen) in seinem Namen 
«Der unsere Leiber erschuf»! - 
CHNUM, der die Menschen baut und die Götter hervorbringt,
der alle Gesichter am Leben erhält und für sie sorgt 
«Hei, lasst uns seinen Ka verehren!» 

105-109 Die Götter jauchzen: «Lasst uns unseren Vater anbeten!» 
Die Menschen: «Lasst uns unserem Schöpfer (huldigen) in seinem Namen 
«Der unsere Leiber erschuf» ! - 
Urgott, der die Neunheit schuf und aller Dinge Anfang war, 
er hat dies alles geformt nach dem Plan seines Herzens 

110-114 «Hei, lasst uns seinen Ka verehren!»
Die Götter jauchzen: «Lasst uns unseren Vater anbeten!» 
Die Menschen: «Lasst uns unserem Schöpfer (huldigen) in seinem Namen 
«Der unsere Leiber erschuf» ! - 
Alles Entstandene entstand, seitdem er hervortrat, 

115-119 alles Seiende insgesamt gehört ihm «Hei, lasst uns seinen Ka verehren!»
Die Götter jauchzen: «Lasst uns unseren Vater anbeten!» 
Die Menschen: «Lasst uns unserem Schöpfer (huldigen) in seinem Namen 
«Der unsere Leiber erschuf»! -

120-124 Göttlicher, der am Anfang kam, vor dem niemand war. 
der seinen Leib zeugte mit dem Werk seiner eigenen Hände 
«Hei, lasst uns seinen Ka verehren!»
Die Götter jauchzen: «Lasst uns unseren Vater anbeten!» 
Die Menschen: «Lasst uns unserem Schöpfer (huldigen) in 

125-129 seinem Namen «Der unsere Leiber erschuf»! -
Erscheinender mit funkelndem Glanz und vielen Verkörperungen, 
seine Huld ist sein Licht, Geiz gibt es nicht «Hei, lasst uns seinen Ka verehren!»
Die Götter jauchzen: «Lasst uns unseren Vater verehren!» 

130-134 Die Menschen: «Lasst uns unserem Schöpfer (huldigen) in seinem Namen 
«Der unsere Leiber erschuf» ! -
König ist er der Ewigkeit und Herrscher der Unvergänglichkeit, 
Fürst, Herr des Himmels und Ältester der Erde 
«Hei, lasst uns seinen Ka verehren!»

135-139 Die Götter jauchzen: «Lasst uns unseren Vater anbeten!» 
Die Menschen: «Lasst uns unserem Schöpfer (huldigen) in seinem Namen 
«Der unsere Leiber erschuf»! - 
Er erschuf die beiden Ufer und brachte die Gaue hervor, 
er rüstete die Tempel der Götter aus in der Ausdehnung der Ewigkeit 

140-144 «Hei, lasst uns seinen Ka verehren!»
Wie beglückend ist es, dich zu verklären, du Schöpfer des Seienden! 
Du bist der Gott, der die Götter zeugte. 
Alles was du geschaffen hast, hält dir die Arme entgegen in Lobpreisungen, 
Bürger und Volk preisen dich, 

145-149 sie huldigen deinem Aufgang im Lichtland des Himmels, 
sie küssen die Erde vor jener deiner erlauchten Erscheinungsform; 
die Liebe zu dir vergeht nicht bis ans Ende der Zeit, 
Theben dauert in Jubel, Karnak in Freude; 

150-154 deine Neunheit frohlockt beim Tragen deines Bildes, 
wenn du in deiner Barke fährst bei deinen Erscheinungen wie jener, 
den die Schakale treideln auf dem Weg der Naunet. 
Deine Strahlen leuchten in ihr (der Barke) wie die Sonne, 
wenn sie sich zeigt, 
dein Licht wiederholt sich (=wird reflektiert?) in Himmel und Erde. 

155-159 (Alle) Augen blicken auf dich, wenn du aufgehst, 
alle Herzen freuen sich, wenn sie dich sehen, 
(nämlich) die Lichtaugen des AMUN-RE, 
denn die unendliche Zeit ist auf dir, 
die unvergängliche Dauer liegt vor deinem Angesicht, 

160-164 Millionen und Millionen Jahre sind es, 
die du währst, erschienen in Theben, ruhend in Heliopolis. 
Das Obeliskenhaus ist geheiligt, deinen Leib zu verbergen. 
Du hast die weiten Zeitgrenzen vollendet, aber deine Zeit hat kein Ende. 

165-169 Die Zukünftigen kommen zu dir mit Gutem.
Verehrung dir, du Herr der Herren, so weit die Liebe zu dir reicht! 
Lobgesang dir, du Herrscher seiner Schöpfung, 
so weit die Ehrfurcht vor dir herrscht! 

170-174 Jauchzen deinem Ka, du Schöpfer des Seienden, s
o groß deine Stärke ist! 
Jubel dir, du Starker in seiner Erscheinungsform, 
so vollkommen deine Huld ist! 
Ehrfurcht dir, du Herr der Furchtbarkeit, 

175-179 die Erde wendet sich nach deinem Angesicht! 
Anbetung dir, der du verjüngt kommst, 
deine Lebenszeit ist jeder Tag. 
Preis dir, du Herrscher der Menschheit, 
alles, was du bestimmt hast, betet dich an! 

180-184 Erdküssen dir, du Einer Einziger, 
der Götter und Menschen hervorbrachte!
Dir huldigt alles, was aus dir hervorkam, 
und alles, was deine beiden Lichtaugen [bestrahlen], 
rühmt dich mit dem, was du geschaffen hast. 

185-189 Die Lebenden, sie neigen den Kopf; 
was du befohlen hast, das hat Bestand auf Erden. 
Nichts vergeht von dem Werk deiner Hände. 
Die unendliche Zeit ist es, die du dauerst, 
das Ende deiner Jahre gibt es nicht. 
Dein Sohn HORUS vermehrt deine Opfer für ewig. 

190-194 [„ .] mit seiner Fackel, die sich mit ihm vereinigt (?); 
sein Himmel vereinigt sich mit seinem Ba, 
sein Leib ist ausgerüstet mit seiner Stärke. 
Die Mannschaft seiner Barke jubelt, die geheime Kajüte triumphiert: 

195-199 der erlauchte Ba hat sich mit seinem Körper vereinigt.
Du erwachst schön, 
Der-im-Urgewässer-aufgeht, gepriesener HORUS, 
der von der Wahrheit lebt; 
CHONS-THOT, Herr der Götter, Ältester der Neunheit; 

200-204 AMUN in seinem Leib, RE in seinen Gliedern, 
der Herr von Memphis in seinem Mumienleib; 
Löwe, der den Himmel quert, ohne zu ermüden, 
er ergeht sich im Lichtland des Himmels; 

205-209 der die Finsternis fortnimmt und das Licht gibt, 
Falke, der seinen Lauf kennt; 
CHNUM, der den Samen der Götter knüpft, 
der sein Zwillingspaar erzeugte mit seinem Speichel. 
Der Viel-Blickende, dessen Lauf keine Grenzen hat. 

210 Millionen und Abermillionen 


pBerlin 3049, ed. G. Möller, in: Hieratische Papyrus aus den kgl. Museen zu Berlin II (1905)127 A = 11,2 - VII,7; HPEA Nr. 81. 

aus: Jan Assmann: "Ägyptische Hymnen und Gebete"





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